Die Stunde der Wahrheit

Was machen acht Mädchen abends, wenn sie eine ganze Villa für sich haben? Man könnte denken, sie lümmeln rum, schlürfen Prosecco und spielen mit den leeren Flaschen Flaschendrehen. Ganz so weit weg davon war die Idee von Jury-Mitglied Rolf nicht. Er wollte, dass die GNTM-Kandidatinnen sich ihrem Ich stellen und sich selbst vor einen Spiegel. Dafür sollten sie Fragen formulieren und sie auch selbst ehrlich beantworten. Ein Beispiel für eine solche Frage war: “Warum bin ich hier?”

Als Rolf die Aufgabe stellte, ahnte er wahrscheinlich nicht, welches Tränenmeer er damit auslösen würde. Den Anfang machte Maria. Sie beantwortete sich die Frage damit, dass sie sich selbst beweisen wolle, dass sie auch etwas kann. Dass sie nicht nur “die Tochter von” ist, sondern Maria. Dass sie stolz darauf ist, etwas besser zu können als andere.

Iras Beweggründe, zu GNTM zu gehen, waren offenbar ganz ähnliche. Auch sie fühlte sich vorher ein wenig wie das sprichwörtliche fünfte Rad am Wagen.

Auch Sara will besser sein und sicherer werden. “Wenn mir jemand sagt, dass ich nicht gut bin, dann glaub ich das.”

Marie gab einen Einblick in ihr Seelenleben und zumindest ansatzweise eine Antwort auf die Frage “Warum bin ich so unemotional?”. Sie verbrachte ihr Leben zu einem großen Teil damit, es allen Recht machen zu wollen und wurde dann bitter enttäuscht. Der Eindruck, den sie bei GNTM hinterlässt, ist der, dass sie es nun “nur” noch Menschen Recht machen will, die sie nach vorn bringen können. Warum auch nicht? Angela Merkel ist so Kanzlerin geworden.

Mandy stellte sich die Frage, warum sie nicht 100 Prozent geben kann, obwohl sie es möchte und beantwortete diese Frage sehr reflektiert. Man konnte ihr anmerken, dass sie schon oft darüber nachgedacht hat. Aber genau diese Gedankengänge sind es dann wieder, die eben die 100 Prozent verhindern. Sie steht sich selbst im Weg, weiß es und steht sich darum selbst wieder im Weg. Wenn sie es bis ins Finale bringen will, muss sie diesen Teufelskreis durchbrechen.

Larissa sagte nichts, was man nicht auch schon früher von ihr gehört hätte. Sie komme sehr hart rüber, könne aber auch ganz anders sein. Tief in ihrem Inneren sei sie ja lieb und nett, aber sie wurde schon zu oft enttäuscht und musste immer kämpfen. Stellt sich dem aufmerksamen Beobachter die Frage, ob sie nicht vielleicht allein dieser Meinung ist und sich so benimmt, weil sie denkt, dass sie so sein muss.

Rolf fand die Runde sehr aufschlussreich, auch wenn sie in Gruppentränentrocknen endete. Und Maria sagte, dass sie sich nun besser und auch besser verstanden fühlt. Bleibt zu hoffen, dass es hilft.

GNTM News geschrieben am April 24, 2009 


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